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Mattes Website - Blog
Atlanta Sonntag, 11.03.2007, 13:01 Uhr
Im Sommer findet der RoboCup 2007 in Atlanta statt.
Guerra organisiert die Eco-Be! Liga (Nennt sich offiziell "Physical Visualization Sub-League"), möchte aber auch mit einem eigenen Team am Wettbewerb in dieser Liga teilnehmen. Ich bin neuerdings offizielles Mitglied in diesem Team. Fragt sich nur noch, wie ich nach Atlanta komme. So wie es ausschaut, wird Asada-sensei den Flug bezahlen. Feine Sache!

Für alle, die nicht wissen was der RoboCup ist:
Das ist die Roboter-Fußball-Weltmeisterschaft. Findet jedes Jahr in einem anderen Land statt. Den ersten RoboCup gab es 1997. Mitinitiator und Präsident des RoboCup ist Asada-sensei.

2006 wurde der RoboCup in Bremen abgehalten, kurz vor der Fußball Weltmeisterschaft der Menschen.

Warum spielen Roboter überhaupt Fußball, und wozu dieser Wettbewerb?

Der Leitspruch des RoboCup lautet:
"By the year 2050, develop a team of fully autonomous humanoid robots that can win against the human world soccer champion team."
Auf Deutsch:
"Bis zum Jahre 2050 ein Team von selbstständigen, humanoiden Robotern entwickeln, dass den dann amtierenden Fußball Weltmeister besiegen kann. (nach FIFA Regeln)"

Was nützen der Menschheit Roboter, die Fußball spielen können?
Um dies zu erläutern, muss ich ein wenig weiter ausholen:

Man kann die Motivation des RoboCup mit dem Apollo Programm der NASA in den 60iger Jahren vergleichen.
1961 gab Präsident Kennedy die Parole aus, bis zum Ende des Jahrzehnts dem Erdtrabanten einen Besuch abzustatten.

Die Entwicklung die daraufhin einsetzte, hat geschätzte 135 Milliarden Dollar gekostet. Ein ziemlich stolzer Preis für 380 Kilogramm Mondgestein die man zurückgebracht hat. (355.000 Dollar pro Gramm.)

Tatsächlich waren diese 135 Milliarden aber gut investiertes Geld, denn um das Ziel zu erreichen mussten viele neue Technologien und Werkstoffe entwickelt werden.
Es ist unmöglich den genauen Nutzen das Mondprogramms zu beziffern, da man nicht genau unterscheiden kann welche Technologien und Werkstoffe nur durch das Mondprogramm ermöglicht wurden, aber es ist sicher dass wir heutzutage die Früchte dieses technologischen Fortschritts nutzen.

1. In Analogie zur Parole von John F. Kennedy gibt der RoboCup für die Robotik auf der ganzen Welt ein gemeinsames Ziel und einen Zeitrahmen vor:
Bis 2050 Roboter zu entwickeln, die besser Fußball spielen können als Menschen.
Wie beim Mondprogramm müssen noch viele Technologien und Werkstoffe entwickelt werden, um dies zu ermöglichen. Es ist zu erwarten, dass die Fortschritte die dabei gemacht werden der ganzen Menschheit zu Gute kommen werden.

Ein weiterer gewünschter Effekt des RoboCup ist Motivation durch Wettbewerb. Das Mondprogramm hätte es nicht, zumindest nicht in diesen Ausmaßen, gegeben ohne den Wettlauf mit der Sowjetunion.
2. Der RoboCup erzeugt einen Wettbewerb zwischen den Robotik Forschern auf der ganzen Welt, und beschleunigt so die Entwicklung.
Im Gegensatz zum kalten Krieg werden die Forschungsergebnisse beim RoboCup untereinander ausgetauscht.

3. Gleichzeitig bietet der RoboCup eine Plattform, auf der die Teams aus der ganzen Welt ihre Ergebnisse regelmäßig miteinander vergleichen können.

4. Wenn man es geschafft hat, einen Roboter zu entwickeln der sehr gut Fußball spielen kann, dann wird man mit der gleichen Technologie auch Roboter entwickeln können die für die Menschheit von praktischem Nutzen sind.

In Japan ist ein praktischer Einsatzzweck für solche Roboter bereits ausgemacht worden: Die Betreuung von Alten.
Japan ist, wie Deutschland auch, eine alternde Gesellschaft, und man sieht in Pflege-Robotern einen Weg, wie man mit dem prozentual wachsenden Berg alter Menschen fertig werden kann.
Ein solcher Vorschlag wäre aufgrund der anderen Kultur in Deutschland undenkbar und würde wohl (zu recht) einen Aufschrei verursachen.
Fragt sich, ob man das bei uns in 50 Jahre immer noch so kritisch sieht, oder ob sich die Gesellschaft mehr und mehr mit dem Gedanken anfreunden kann.
Meine Generation wird die Antwort noch (vielleicht am eigenen Leib?) erfahren...

Und warum ausgerechnet Fußball?

Im Prinzip hätte es auch eine andere Sportart sein können, aber Fußball ist wohl die beliebteste Sportart auf der ganzen Welt und die zum Fußball spielen nötigen Fähigkeiten sind für Roboter allgemein sehr nützlich.

Ein guter Fußball-Roboter muss z.B.:
- Ein Objekt (Ball, Mitspieler, Gegenspieler) verfolgen können.
- Eine gute dreidimensionale visuelle Wahrnehmung haben.
- Selbstständig Entscheidungen treffen und sich gleichzeitig in einem Team mit 10 anderen koordinieren und verständigen können.
- Gut gehen und rennen können, auch auf nassen, rutschigem und unebenem Boden.
- Die Ausdauer haben um 90 Minuten lang über einen Platz zu rennen.
- Mechanisch stabil genug sein um Stürze und Zusammenpralle auszuhalten, gleichzeitig aber auch flexibel und dehnbar sein.

Alle diese Eigenschaften sind grundsätzlich für humanoide Roboter wünschenswert.
Menschliche Fußballer sind ja nicht grade für geistreiche Äußerungen bekannt, vermutlich wird man diese Eigenschaft bei den Roboter nicht nachahmen...

Zudem gibt es beim RoboCup auch Ligen die nichts mit Fußball zu tun haben. Zum Beispiel die "Rescue League", in der es darum geht Rettungsroboter zu entwickeln.

Zusammenfassung:
Der RoboCup ist ein Instrument um die weltweite Roboterforschung zu beschleunigen, in dem man sich auf ein gemeinsames Ziel fokussiert und einen Wettbewerb erzeugt der die Forscher zu Höchstleistungen motiviert.

Im Schach hat der Computer bereits über den Menschen gesiegt (Deep Blue vs. Kasparov, 1997 ff). Fußball ist der nächste logische Schritt...


Zurück zur Gegenwart.
Dieses Jahr findet der RoboCup also in Atlanta/USA statt, vom 1-10. Juli. Und so wie es ausschaut werde ich als kleines Rädchen im großen Getriebe mitmachen.

Die Vorstellung, Teil eines so groß angelegten, langfristigen und ambitionierten Projekts zu sein finde ich toll. Ich freue mich schon auf das Jahr 2050. Bin gespannt ob ich dann mit anderen vor dem Fernseher sitze, das Finale in der Weltmeisterschaft "Roboter gegen Mensch" verfolge und erzählen kann wie ich 43 Jahre zuvor mal auf diese Moment hingearbeitet habe...
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