Frankenstein Dienstag, 06.03.2007, 12:11 Uhr
Gestern war Rolf Pfeier (engl. Wikipedia Artikel) zu Besuch.
Er ist Professor an der Universität Zürich, und einer der bekanntesten europäischen Robotik-Forscher.



Er hat einen Vortrag über "Embodiment" und "mechanische Intelligenz" gehalten. Sehr interessant.
Dies hier zu erläutern wäre ein bisschen ausufernd. Ganz grob zusammengefasst:
Man kann mechanische Systeme so konstruieren, dass sie einem viel Arbeit abnehmen für eine Aufgabe die ansonsten viel Berechnungsaufwand benötigt.
Man könnte ja meinen, dass man z.B. zum Laufen oder erst recht zum Rennen ein leistungsstarkes Denkorgan braucht, dass den Muskeln kontinuierlich Kommandos gibt um den Läufer im Gleichgewicht zu halten.
Tatsächlich ist es aber möglich, sich das leistungsstarke Denkorgan komplett zu sparen.
Durch die Wahl einer geeigneten Form und geeigneter Materialien ist es möglich einen Roboter zu entwickeln der sich beim laufen selbst stabilisiert. Rein mechanisch. Solche Roboter werden in Zürich entwickelt.

Ein Beispiel aus der Natur sind Wüstenameisen. Diese besitzen kein zentrales Denkorgan das alle acht Beine koordiniert.
Wie kann man ohne zentrales Denkorgan 8 Beine sinnvoll koordinieren?
Die Antwort ist so trivial wie einfach und effizient:
Wenn sich ein Bein nach hinten abdrückt um den Körper nach vorne zu bewegen, werden alle anderen 7 Beine nach vorne gezogen.
Es reicht, einen einfachen Sensor in jedem Bein zu haben der diese Bewegung registriert und daraufhin eine passende Bewegung "seines" Beines auslöst. So läuft es sich von ganz alleine.
Die Koordination der Beine erfolgt also ausschließlich über die Mechanik.


Desweiteren kam Gestern ein Team von "Welt der Wunder" (RTL2) zu uns.
Die Organisation im Vorfeld verlief ziemlich chaotisch. Im Endeffekt hatten die keine Dreherlaubnis für das ERATO Lab in dem ich arbeite, sondern nur für das Labor von Prof. Ishiguro.

Die machen eine komplette Sendung über Roboter. Der Titel war, typisch RTL2, ziemlich reißerisch. Ich hab ihn nicht mehr genau im Sinn, irgendwas in der Art von: Mythos Frankenstein.
Es soll eine Brücke geschlagen werden von Frankenstein zur modernen Roboterforschung. Von Niveau darf man wohl nicht viel erwarten.
Ausgestrahlt werden soll das ganze "in den nächsten Wochen".

Es war auch im Gespräch das wir Austauschstudenten interviewt werden (ein bisschen Werbung für die Uni Koblenz schadet nie). Zumindest bei Judith hätte sich dies angeboten, da sie mit dem Androiden Repliee Q2 von Ishiguro-sensei arbeitet. Aber dazu kam es nicht. Nur Ishiguro-sensei wurde interviewt.
Für mein Labor hatten sie ja erst gar keine Drehgenehmigung. Aufgrund des Themas interessierten die sich vor allem für humanoide Roboter und Androiden. Der einzige humanoide Roboter in meinem Labor, "M3" ist ziemlich geheim und darf nicht gefilmt werden.
Ich habe zwar Fotos von ihm, ins Internet darf ich sie aber auch nicht stellen...

- Bilder vom Set -

Repliee Q2 ausgeschaltet:



Vorbereitungen:



Das Interview: (Ishiguro-sensei wie immer in schwarz)



Ausschnitte:





Ohne Zusammenhang, hier ein Schnappschuss von Judith und Wolfram in ihrer typischen Arbeitshaltung:



Lustige Anekdote:
Für die Sendung sollte auch der oben erwähnte Professor Pfeifer interviewt werden. Dummerweise lies sich kein gemeinsamer Termin vereinbaren, denn Prof. Pfeifer ist jetzt erstmal für 2 Wochen hier in Japan, und die der Beitrag soll ja schon bald auf Sendung gehen.
Das Team von Welt der Wunder wusste nicht dass Prof. Pfeifer in Japan ist, in Osaka, an dieser Uni, zur gleichen Zeit wie sie.
Als Joschka (nichts ahnend) vorschlug, man könne doch auch den Professor Pfeifer aus Zürich interviewen der grade bei uns weilt, war die Dame von Welt der Wunder sehr überrascht.
Aufgrund des knappen Zeitplans kam es aber nicht mehr zu einem Treffen von Prof. Pfeifer mit dem Kamerateam.
Arbeit