Silvester Dienstag, 02.01.2007, 10:41 Uhr
Im folgenden möchte ich darüber berichten, wo und wie ich den Jahreswechsel verbracht habe:

Wie schon einmal erwähnt, sind Sylvester und die ersten Tage des neuen Jahres in Japan ein traditionelles Familienfest wie bei uns Weihnachten.
Daher sind viele Studenten über die Feiertage in ihre Heimatstädte gefahren, die meisten Geschäfte bleiben für ein paar Tage geschlossen und die Universität ist zwar geöffnet, aber
bis zum 04.01. sind alle öffentlichen Einrichtungen auf dem Campus (Bibliothek, Geschäfte, Restaurants, etc.) geschlossen.

Dass es sich bei beiden Anlässen um Familienfeste handelt ist nicht die einzige Parallele zwischen Weihnachten und dem japanischen Neujahrsfest:
Der obligatorische weihnachtliche Besuch der Christmette findet sein japanisches Gegenstück im neujährlichen Besuch eines buddhistischen Tempels.

Daher sind Wolfram und ich am Abend des 31.12. losgezogen zum größten und ältesten Tempel Osakas, dem Shitennoji.
Um das Jahr 590 von Prinz Shotoku errichtet, hat dieser Tempel eine wechselhafte, 1400 Jahre lange Geschichte hinter sich, wurde mehrfach niedergebrannt und wieder aufgebaut.

Hier ein paar Bilder:






Das Gelände des Tempels ist ein weitläufiges Areal mitten in der Stadt zwischen Hochhäusern.
Gegen 23 Uhr kamen wir an, und waren positiv überrascht von dem Rummel der dort herrschte. (Wir wussten vorher nicht genau was uns erwartet.)


Nachdem ich nun vergleichen konnte, würde ich sagen, dass aus dem Schlagabtausch "Christmette versus buddhistischer Tempel" der buddhistische Tempel als Sieger hervorgeht.
Begründung:
Dem oberflächlichen Besucher, der einmal im Jahr seinem Gotteshaus einen Pflichtbesuch abstattet, wird auf einer Neujahrsfeier im buddhistischen Tempel viel mehr Abwechslung und "Action" geboten als in einer Christmette:

- man kann selber die Glocke läuten
- es gibt Fressbuden wie auf einem Jahrmarkt (!)
- man kann Mönchen beim Gebet zuschauen
- es gibt kostenlosen, warmer Tee
- es gibt viele kleine Aktivitäten wie z.B. Räucherstäbchen anzünden oder an einem kunstvollen Rad drehen (ich vermute das es sich um das Dharma-Rad handelte.)

Das Glockenläuten scheint die Hauptattraktion zu sein. In mehreren Gebäuden des Tempels gab es Glocken, und davor bildeten sich lange Schlangen. Um 23:30 begann man dann damit, das neue Jahr einzuläuten. Etwa alle 10-15 Sekunden wurde jede Glocke geläutet. Bei Hunderten Menschen in jeder Schlange dauert es bis weit
nach Mitternacht bis alle Läut-Willigen durch sind.

10 Sekunden vor Mitternacht gab es auf dem "Zentralplatz" des Tempels einen Countdown bis zum Jahreswechsel und anschließend verhaltenen Jubel. Kein Alkohol, kein Anstoßen, kein Feuerwerk.

Viele warteten noch immer in den Warteschlangen darauf ein Glocke zu läuten, der Rest der Besuchermassen verflüchtigte sich.


Wir sind dann noch ein bisschen durch die Stadt gezogen, haben einen zweiten Tempel besichtigt und ein Hochhaus gesucht wo man um 2 Uhr Nachts noch im obersten Stockwerk die Aussicht genießen und etwas essen kann. Leider waren wir nicht erfolgreich.

Zum Abschluss noch das "Wir waren da"-Beweisfoto:

Kultur, Freizeit