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Mattes Website - Blog
Marvin Minsky Mittwoch, 06.12.2006, 12:51 Uhr
Gestern bin ich mit ein paar Leuten aus unserem Labor nach Kyoto gefahren, um einen Vortrag von Marvin Minsky zu hören.


Wer ist Marvin Minsky?

Minsky ist eine der berühmtesten Persönlichkeiten in der KI-Forschung. (KI = Künstliche Intelligenz)

Geboren 1927, war er in den 50er Jahren einer der Begründer der KI-Forschung. Er war einer der 10 Teilnehmer an der Darthmouth Konferenz (engl.) im Jahre 1956.
Bei diesem einmonatigen Treffen am Dartmouth College (USA) wurde die KI-Forschung begründet und der Begriff "Künstliche Intelligenz" geprägt (engl. "artificial intelligence").

Später war er Mitbegründer der KI-Forschungsabteilung am berühmten Massachusetts Institute of Technology (kurz MIT).



Zu seinem Vortrag:





Minsky erläuterte in dem Vortrag die Ansichten, die er in seinem neuen Buch The Emotion Machine vertritt.
Einen Entwurf des Buches kann man auf seiner Website kostenlos herunterladen.


Der heilige Gral der (starken-) KI-Forschung ist ein Computerprogramm, dass ein eigenes Bewusstsein hat und selbstständig sein Wissen erweitern kann (also z.B. selbst Bücher lesen und verstehen kann).

Minsky vertrat in seinem Vortrag die Ansicht, dass fast alle aktuellen Forschungsansätze in der KI-Forschung zum erreichen dieses heiligen Grals ungeeignet seien.

Grob zusammengefast sagte er:

Neuronale Netze, statistische Verfahren, genetische Algorithmen, etc. sind allesamt unzureichend.
Statdessen sollten viel mehr Forscher an "Common sense networks" forschen.
Die KI Forschung ist für ihn seit den 70iger Jahren in einer Sackgasse.

Wer sich für seine Begründungen interessiert, dem empfehle ich sein Buch zu lesen. Dies hier zu behandeln würde den Rahmen des Blogs sprengen.


Besonders scharf kritisierte er übrigens die Robotik:

Die Robotik ist seiner Meinug nach eine der größten Zeitverschwendungen überhaupt. Insbesondere der Roboterfussball!

Es gibt viele Leute, die die Meinung vertreten, eine Künstliche Intelligenz müsse, um ein Bewusstsein zu erreichen, eine Verkörperung haben.
Also eine künstliche Intelligenz die einen Roboter steuert, mit dem sie dann, im wahrsten Sinne des Wortes, die Welt "begreifen" kann.
(Es gibt Forschungsgruppen, die versuchen "Baby Roboter" zu entwickeln, die sich wie Kleinkinder verhalten.)

Minsky meint, um eine künstliche Intelligenz die Welt begreifen zu lassen wäre es aber viel effizienter, sie dies in einer Simulation tun zu lassen.
(Eine Art virtuelles Baby in einem virtuellen Sandkasten.)

Denn die meisten Roboter wären 50% der Zeit defekt. Ständig müssten sie repariert werden, aus der ganzen Robotik sei noch keine einzige gute Doktorarbeit hervorgegangen.

Zu seiner Kritik muss man anmerken, das er die Robotik anscheinend nur als ein Hilfsmittel der KI-Forschung begreift.


Fazit:
Der Vortrag war unterhaltsam, aber ziemlich pauschal und unwissenschaftlich. Minsky zog viele amüsante Parallelen und hatte einige Anekdoten zu erzählen.
Er wunderte sich darüber, das die Computerwelt zu Unix, einem fast 40 Jahre alten, und seiner Meinung nach schlechten, Betriebssystem zurückkehrt, er beschwerte sich über sein Apple Notebook, über Microsoft, über Microsoft Office, über Powerpoint und noch einiges mehr.

Mit seinen jetzt 79 Jahren wirkte er ein bisschen wie ein besserwisserischer, alter Mann der noch mal zum pauschalen Rundumschlag ausholt.
Arbeit