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Mattes Website - Blog
Uncanny Valley Donnerstag, 30.11.2006, 13:07 Uhr
Heute morgen hatten wir hier im Labor drei interessante Vorträge von Besuchern:


Prof. Hans-Dieter Burkhard von der Humboldt Universität Berlin hielt einen Vortrag über Fallbasiertes Schließen mittels "Case Retrieval Nets".


Prof. Gerhard Kraetzschmar von der Universität Ulm gab einen Überblick über MIRO, eine Middleware für Roboter.


Am interessantesten war aber der Vortrag von David Hanson aus Texas.

David Hanson ist neben "unserem" Prof. Ishiguro einer der führenden Entwickler von Androiden.
Seine von ihm entwickelten Androiden zeichnen sich vor allem durch ihre besonders natürlich wirkende Erscheinung aus:



Das Bild oben links zeigt keinen Menschen, sondern das fertige Gesicht eines Androiden.


Hier ein Bild von einem koreanischen Roboter, der mit einem von Hanson entwickelten "Albert Einstein" Kopf kombiniert wurde:








Eine von Hansons Thesen ist, dass das Uncanny Valley (dt.: "unheimliches Tal") nicht existiert.

Was ist das Uncanny Valley?



Zunächst einmal gilt: je menschlicher ein Roboter aussieht, umso weniger bedrohlich, und umso ansprechender sieht er für Menschen aus.
Dies entspricht der roten Linie (A) in der obigen Abbildung.

Es ist daher das Ziel der Androidenforschung, möglichst menschenähnliche Roboter zu entwickeln.

Die These vom Uncanny Valley besagt nur aber, dass Roboter die schon sehr menschlich wirken und nur noch kleine Fehler aufweisen sehr abschreckend auf Menschen wirken.
Ab einem gewissen Detailgrad werden sie nicht mehr an ästhetischen Kriterien für einen "Gegenstand" gemessen, sondern an den viel empfindlicheren ästhetischen Maßstäben für Menschen!

Dieser plötzliche Abfall an Attraktivität bei sehr menschenähnlichen Robotern wird von der blauen Linie (B) in obiger Abbildung gezeigt.
Man nennt diese Delle das "unheimliche Tal", oder eben "Uncanny Valley" auf Englisch.


Für mich ein gutes Beispiel für einen Androiden im Uncanny Valley ist Repliee R1 von unserem Professor Ishiguro:



Dieser Androide wurde Prof. Ishiguro's Tochter nachempfunden.
Auf mich wirkt dieser Androide unheimlich, weil er einerseits so sehr einem Kind ähnelt, aber dabei doch ziemlich unnatürlich guckt. Man könnte meinen dieses "Kind" sei irgendwie krank.


Bei der Entwicklung von immer menschenähnlicheren Androiden stellt das Uncanny Valley also eine Art Hürde da, die es zu überwinden gilt.


Hanson behauptet nun aber, dass Androiden jeden Menschlichkeitsgrades künstlerisch so optimiert werden können, das sie auf Menschen ästhetisch/ansprechend wirken.
In seinem Team arbeiten daher Künstler daran, seinen Androiden, die sich eigentlich im Uncanny Valley befinden müssten, ein für Menschen ansprechendes Äußeres zu geben, das nicht zwanghaft versucht noch menschlicher zu wirken, sondern eher wie Theaterfiguren.

Diese These ist gewagt, aber angesichts seiner eindrucksvollen Androiden komme ich ins Zweifeln ob er nicht recht haben könnte.

Kritisch sehe ich allerdings, dass er sich bei der Kritik am Uncanny Valley nur auf das Aussehen bezieht.
Neben dem Aussehen spielt für das Uncanny Valley auch noch die Bewegung eine wichtige Rolle!

Ein Androide der perfekt so aussieht wie Claudia Schiffer, sich aber unnatürlich, ungelenk und abgehakt bewegt wie eine Maschine würde einem doch ziemlich fremd vorkommen.

Dagegen hatte Herr Hanson (noch) nichts ins Felde zu führen...


Eine zentrale Rolle in der Optimierung des Aussehens von Androiden stellt das verwendete Material für die Haut dar.
Dafür hat Hanson mit seinem Team "Frubber" entwickelt, eine spezielles Silikon mit luftgefüllten Bläschen verschiedenster Größe.
Diese künstliche Haut hat sehr ähnliche Eigenschaften wie menschliche Haut, was die Stauch- und Dehnbarkeit angeht. Wenn dieses "Frubber" Material von künstlichen Muskeln verzogen wird, entstehen natürlich wirkende Falten. (Z.b. Lachfalten)



Zum Abschluss noch zwei Videos von "Albert Hubo", dem Roboter mit Einstein-Kopf, in Aktion:





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Links:

Der Wikipedia Artikel zum Uncanny Valley

Der englische Wikipedia Artikel über David Hanson
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