Ofensuche Mittwoch, 31.01.2007, 08:23 Uhr
Folgendes:

In der IC-Hall (Dem Gebäude für "International Collaboration" - Internationale Zusammenarbeit) findet der Japanischunterricht statt, daneben gibt es noch Aufenthaltsräume und Info-Material für ausländische Studenten.
In einem dieser Aufenthaltsräume entdeckte ich vor ein zwei Wochen eine Küchenzeile mit OFEN.

Das ist durchaus etwas besonderes. Denn es ist weit und breit der erste Ofen in ganz Japan den ich erblicken konnte. Öfen scheinen hier nicht sehr verbreitet zu sein.

Erfreut über diese Entdeckung kam ich auf die glorreiche Idee, einen Kuchen zu backen! Mit so einem Blech frischem, duftendem Apfel-Streusel Kuchen durchs Labor zu spazieren und Kostproben zu verteilen wäre doch ne prima Sache...

Da ich das Rezept nicht auswendig im Kopf hab, lies ich mir von meiner ehrenwerten Mutter eines zukommen.
Meine Recherche in japanischen Supermärkten ergab, dass es einige für einen Apfel-Streusel essenzielle Ingredienzien hier nicht käuflich zu erwerben gibt.
U.a. Hefe. (Für den Boden.)

Also sandte mit meine Mutter einen 3er Pack Trockenhefe und noch ein bisschen Vanillezucker per Post. (An dieser Stelle nochmal vielen Dank!)

Soweit, so gut.

Jetzt könnte ich ja eigentlich loslegen. Wo sind also die Fotos???
Nun, es gibt keine Fotos, weil es keinen Kuchen gibt!

Dieser Blog-Eintrag ist leider nicht die Fotoserie von meiner Kuchen-Session die er hätte sein können. Statt dessen ist dieser Eintrag eine Artikulation meiner Enttäuschung.

Man hat mir die Benutzung des Ofens untersagt!

Gott sei Dank bin ich nicht ausgerüstet mit Küchenschürze, allen Zutaten und einer Schar Begleitern in der IC-Hall eingefallen und hab losgelegt, sondern habe vorher (nur um sicher zu gehen!) nachgefragt ob ich den Ofen nutzen kann.

Zu meiner Überraschung und meinem Unverständnis lautete die Antwort: "Nein".

Nun mag man sich fragen: Was macht denn ein Ofen in einem Aufenthaltsraum für ausländische Studenten, wenn er nicht genutzt werden darf? Zumal die Nutzung aller anderen Einrichtungsgegenstände wie z.B. Mikrowelle, Herd, Wasserkocher, Kaffeemaschine, etc. erlaubt ist?
Die nette Dame mit der ich sprach konnte mir keine Begründung geben. "It's a rule."

Das mit den Regeln ist in Japan so eine Sache. Wenn irgendwer mal, warum auch immer, eine Regel eingeführt hat, egal wie unsinnig sie ist, dann wird sie hier befolgt. Es wird nicht hinterfragt. "It's a rule." Und Ausnahmen gibt es nicht.

Allerdings erfuhr ich, dass der Ofen für Parties genutzt werden kann. Also fragte ich, ob ich eine offizielle "German cake baking party" veranstalten könne. Das ging natürlich auch nicht, war ja klar...

Und nun? Jetzt sitz ich hier, mit Dr. Oetker Hefe und Bourbon Vanille Zucker ("Mit dem zarten Duft und dem feinen Geschmack der Bourbon-Vanille"), und hab doch keinen Ofen in dem ich daraus einen Kuchen machen könnte.

Ich habe noch nicht aufgegeben und werde die nächsten zwei Monate ausschau halten nach einem anderen Ofen, aber die Chancen dass ich überhaupt noch einen finde, und dann auch noch benutzen darf, sind wohl eher gering.

Wenn sich doch nochmal was ergibt, werde ich berichten.
Freizeit
Sam und Dave Montag, 29.01.2007, 10:10 Uhr
Am Samstag war Neujahrsfeier in meinem Wohnheim!
Gut, für Neujahr war es zwar ein bisschen spät, aber das überhaupt mal eine Feier in unserem Wohnheim statt fand war ne feine Sache. Zudem haben wir ja einen hohen Anteil an Chinesen, und für die ist Neujahr erst in 2 Wochen. (Am 18.02. beginnt das Jahr des Schweins.)

Wie üblich war die Feier straff organisiert.

Es begann mit einer halb scherzhaften, halb ernsthaften Sicherheits-Unterweisung durch die Polizei! (Natürlich auf japanisch, daher habe ich einiges nicht verstanden.)
Ein Polizist war wohl Hobbymagier und führte uns seine Taschentuch-Tricks vor.

Ein anderer gab Hinweise wie man sich aus einer Umklammerung eines Diebes befreien kann, eine Polizistin führte vor wie man als Dame seine Handtasche zu tragen hat damit sie einem nicht entrissen werden kann.

Es gab kostenlose Reflektoren und Schutzkappen für Fahrradkörbe, die verhindern sollen dass Motorrad-Banden im Vorbeifahren die Tasche herausgreifen können.

Insgesamt schien mir diese Unterweisung ein Standardprogramm der Polizei für Schulklassen zu sein, das für uns abgespult wurde.

Anschließend gab es Essen und Trinken.

Die Party war endlich mal eine Gelegenheit ein paar Leute aus dem Wohnheim kennen zu lernen. (Kommt leider 3 Monate zu spät.)
Mit zwei dieser neuen Bekanntschaften, "Jinks", einem Amerikaner aus Hawaii und Cansu, einer Türkin, sowie Wolfram, bin ich dann Abends losgezogen in die Innenstadt nach Namba.

Zuerst waren wir in einer unspektakulären Bar, dem "Zerro". Dort stießen ein Holländer und ein Halb-Japaner/Halb-Pakistaner zu uns.
Danach sind wir in einen Club gewechselt, das "Sam and Dave". Obwohl ziemlich westlich ausgerichtet, waren erfreulicher Weise relativ wenige Gaijin dort. (Gaijin = Ausländer).
Gute Musik, gute Stimmung. Diesen Laden kann ich empfehlen! Wegbeschreibung gibt es auf Anfrage.

Leider habe ich keine Fotos von dem Tag, daher bleibt dieser Blog-Eintrag ein wenig "trocken".
Party
Spiegel Online mal wieder Samstag, 27.01.2007, 11:11 Uhr
Spiegel
Turbo Eco-Be! Dienstag, 23.01.2007, 11:20 Uhr
Die Prototypen der neuen Eco-Be! Version mit Akku statt Knopfzelle sollten ja schon Ende November zu uns kommen. Sie kamen erst im Dezember, und sie kamen ohne Firmware!

Was ist die Firmware?
Jeder Eco-Be enthält einen kleinen Mini-Computer, der Infrarot-Signale empfängt und daraufhin Steuersignale an die beiden Motoren sendet (Ein Motor pro Rad).
Das Programm das auf diesem Mini-Computer läuft nennt man Firmware.

Citizen meinte lapidar, sie hätten nicht die Zeit gehabt die Firmware für die neuen Eco-Be!s zu schreiben.
Jetzt hat Guerra die letzten Wochen damit verbracht, die Firmware selbst zu schreiben. (Das wirft leider den ganzen Zeitplan durcheinander.)

Seit Heute laufen die Eco-Be!s endlich, und zwar TURBOSCHNELL! Guerra hat die Ansteuerung der Motoren ein bisschen "aufgebohrt".



Arbeit
Erdbeben Montag, 22.01.2007, 04:34 Uhr
Heute Nacht um 2 Uhr (18 Uhr MEZ) gab es hier ein schwaches Erdbeben.
Und ich habs verpennt!


Heute Morgen hatte ich eine Doppel-Vorlesung bei Prof. Asada (also 3 Stunden) in "Constructive approaches to intelligent systems".
Es ging um das Phänomen der Sprache, warum nur Menschen in der Lage sind Sprache zu erlernen, wie Kleinkinder Sprache erlernen und wie sich das Gehirn des Menschen entwickelt im Verlgeich zu 1. anderne Humanodien und 2. anderen Säugetieren.

Ich schreib dann jetzt mal die Zusammenfassungen... (wir müssen über jede Vorlesung eine Zusammenfassung schreiben, in Englisch.)
Allgemeines
Mobiltelefone Sonntag, 21.01.2007, 14:51 Uhr
Diverses
Abflug Sonntag, 21.01.2007, 07:30 Uhr
Am Freitag waren Wolfram und ich im Büro von Emirates Airlines hier in Osaka und haben unseren Abflugtermin geändert.

Ursprünglich hatten wir auf den 05.04. gebucht. Da wir das Land aber gerne noch ein bisschen bereisen würden, haben wir den Abflug nun auf den 10.04. verlegt.

Es geht in der Nacht los, unser Flieger (EK317) sollte um 23:30 Uhr vom Osaka Kansai International Airport abheben.

Am 11.04. um 05:30 Uhr morgens (Ortszeit) landen wir dann in Dubai. Dort haben wir 9 Stunden Aufenthalt, die wir nutzen werden um uns diese Stadt anzuschauen. Um 14:30 Uhr geht es dann mit Flug EK047 weiter, Ankunft in Frankfurt ist am 11.04. 19:20 Uhr deutscher Zeit.


Eine weitere freudige Nachricht ist, dass wir für unseren Urlaub Verstärkung bekommen!
Gunnar hat gestern Flüge gebucht, er kommt am 24.03. und fliegt mit uns zurück. Wolframs Bruder wird vielleicht auch in den nächsten Tagen buchen. Judith hingegen belässt ihren Rückflug beim 05.04.
Allgemeins
Google Earth Links Montag, 15.01.2007, 10:41 Uhr
Heute habe ich herausgefunden, wie ich Verweise erstellen kann, die einen von mir definierten Ort in Google Earth öffnen.
So kann ich in Zukunft interessante Orte die ich in Japan besucht habe im Blog verlinken, und diejenigen die es interessiert können sich diesen Ort dann in Google Earth anschauen.

Als erste Anwendung dieser neuen Technik habe ich fünf Links erstellt:

Der Blick vom Ishidoga-oka auf Osaka, der mir Gestern durch die Bäume versperrt blieb

Der Osaka Nordfriedhof von oben

Der Damm

Der Campus

Mein Wohnheim

Für diejenigen, die ich jetzt neugierig gemacht habe:
Hier kann man sich Google Earth kostenlos herunterladen.

Wenn man nach der Installation auf einen der obigen Links klickt, sollte folgendes Fenster erscheinen:


(Am Beispiel von Mozilla Firefox, Internet Explorer und alle anderen Browser zeigen ähnliche Dialoge.)

Einfach "Öffnen mit Google Earth..." auswählen, mit "OK" bestätigen und voilà!

Ein Breitband-Internetanschluss (DSL) ist allerdings Voraussetzung für einen reibungslosen Betrieb.
Google Earth
Ishidoga-oka Sonntag, 14.01.2007, 15:19 Uhr
Heute war schönes Wetter, und ich habe eine Fahrradtour unternommen. Ziel war, einen möglichst hohen Berg zu erklimmen, von dem ich einen schönen Blick auf Osaka habe.
Leider besitze ich kein Kartenmaterial das sich über die Bergketten rund um Osaka erstreckt. Also habe ich mir in Google Earth einen Berg ausgeguckt der vielversprechend aussah, habe mir den Weg dorthin grob eingeprägt und bin auf gut Glück losgefahren.

Für diejenigen, die Google Earth besitzen, hier die Koordinaten des Bergs:
34°52'25'' N, 135°29'32'' O

Zur Erinnerung hier nochmal die Koordinaten meines Labors, von dem aus ich gestartet bin:
34°49'25'' N, 135°31'18'' O

Der Berg ist Teil eines großen Massivs, das die Ausdehnung des Großraums Osaka nach Norden hin begrenzt.
Ich habe eben meinen Kollegen Nagura-san gefragt, ob diese Bergkette einen Namen hat. Entweder hat sie keinen, oder aber er wusste es nicht (ich tippe auf letzteres).
"Mein" Berg scheint aber einen Namen zu haben: Ischidoga-oka.

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Von ein paar kurzen falschen Abstechern abgesehen habe ich mein Ziel erreicht.

Mein Fahrrad ist leider nicht geländegängig und verfügt auch nur über drei Gänge, ich habe mich daher auf das befahren von asphaltierten Straßen beschränkt.
Bei einigen steilen Anstiegen habe ich mir gewünscht, ich hätte mein Mountain-Bike aus Deutschland dabei gehabt...


Zu Beginn meiner Reise machte ich ein paar Fotos von grünen Laubbäumen, die ich im letzten Blog Eintrag (über das Wetter) erwähnt hatte.

Das satte Grün in einem Park:



Etwas exotisches:



Ein kleiner Bambuswald:



Diese Bäume blühen sogar Mitten im Januar:



Als Kontrast hier ein Bild auf dem alles ziemlich kahl ist:




Die Bäume, die das ganze Jahr über Photosynthese betreiben und sich den Aufwand des Blätterabwerfens sparen müssten ja einen großen Vorteil gegenüber den anderen Laubbäumen haben. Sie sollten zumindest schneller wachsen.


Zurück zu meiner Fahrradtour:
Die Bebauung hier reicht bis direkt an die Füße der Berge und grenzt somit dicht an den Wald. Wie ich die Stadtgrenze hinter mir lies, wechselte ich auf eine Gebirgsstraße.

Ein kleiner Schrein am Wegesrand:



Wie ich so die Serpentinen erklomm, sah ich sie plötzlich:
AFFEN!



Eine ganze Sippe von Japanmakaken auf Wanderschaft.
Ich war ziemlich überrascht!

Auf japanisch heißen sie "Mantohihi". Sie sind eng verwand mit den Pavianen und sind die Affen mit dem nördlichsten Verbreitungsgebiet.

An Verkehrsregeln halten sie sich nicht:



Die Gitternetze, mit denen die Straße vor Steinschlag geschützt wird, sind eine prima Ketterhilfe:





Dieser hier schaute ein wenig traurig aus:



Sie scheinen Menschen gewöhnt zu sein und interessierten sich nicht für mich, guckten gelangweilt weg und machten auch keinerlei Anstände auszuweichen!
Die vorbeikommenden Autos fuhren entsprechend langsam, die japanischen Insassen schienen auch überrascht zu sein und machten mitunter Fotos, so wie ich.
Alltäglich scheint dieses Schauspiel also nicht zu sein, zumindest nicht in dieser Region.

Ich konnte mich den Affen bis auf wenige Zentimeter nähern, Anfassen habe ich lieber unterlassen. Die Geduld dieser flinken und putzigen, aber wilden Gesellen wollte ich nicht unnötig auf die Probe stellen.


Nach diesem Ereignis kam ich im weitern Verlauf meiner Tour an einem Tempel vorbei:



Und an einem Damm:



(Die Koordinaten des Damms in Google Earth: 34°51'35'' N, 135°28'38'' O)


Schließlich erreichte ich "Osaka Hokusetsuwaien", was so viel heißt wie "Osaka Nordfriedhof":



Diesen, ziemlich großen, Friedhof kann man in Google Earth gut erkennen, er erstreckt sich über den Nordhang des Ishidoga-oka, dem Ziel meiner Reise.
Als ich mir den Berg in Google Earth ausgesucht habe, war ich mir über die Bedeutung dieser Struktur nicht sicher, Friedhof war eine meiner Vermutungen.

Hier ein paar Fotos von der Anlage:







Ein x-beliebiges Grab:







Der Friedhof reicht bis zum Bergkamm, dort oben angekommen konnte ich leider nirgends eine Aussichtsplattform oder eine Erhöhung mit freier Sicht auf Osaka finden. Überall war die Sicht durch dichten Wald versperrt.
Dieser Berg ist in weitem Umkreis der höchste, weshalb ich ihn ja auch ausgesucht hatte. Ich kann nur spekulieren warum es keine Aussichtsplattform gibt. Vielleicht hat man Angst um die Friedhofsruhe, wenn eine solche Plattform viele Touristen (wie mich) anziehen würde?
Tja, und so ist das beste Foto mit Blick auf Osaka, das ich schießen konnte, dieses:



Nicht sehr beeindruckend...

So gesehen war meine Mission, einen Aussichtspunkt auf Osaka zu finden, nicht erfolgreich!
Aber der unerwartete Kontakt mit den Japanmakaken war toll. Und auch die Radtour an sich war eine feine Sache.
Freizeit, Fahrrad
Wetter Dienstag, 09.01.2007, 08:02 Uhr
Ein Wort zum Wetter:

Wie man hört, ist es in Deutschland z.Z. ja ziemlich warm. Vielleicht sogar wärmer als bei uns.

Die Temperaturen schwanken hier so zwischen 0 und 10 Grad.
Tagsüber scheint öfters mal die Sonne, und wenn sie das tut ist sie ziemlich intensiv. Erstaunlicherweise gibt es hier ein paar Laubbäume, die noch in sattem grün erstrahlen. Ebenso die Bambuswälder. Nadelbäume sind selten.
Nachts wird es meist ziemlich frisch.
Im Moment befinden wir uns in der Trockenzeit. Ende Dezember hat es mal geschneit, die paar Schneeflocken sind bei den Temperaturen natürlich nicht liegen geblieben.
In den letzten Tagen gab es ein paar mal kräftigen Wind.

Wie man dieser Internetseite u.a. entnehmen kann, sind Temperaturen unter 0 Grad unüblich.
Das könnte auch erklären warum sich ein paar Bäume das Laub abwerfen sparen.
Wetter
Geschmackserlebnisse Dienstag, 09.01.2007, 07:42 Uhr
Das:



ist ein Fertiggericht, wie man sie hier in jedem Supermarkt kaufen kann. Sie werden frisch im Supermarkt zusammengestellt, man kann sie noch im Supermarkt in einer Mikrowelle erhitzen oder eben mit nach Hause nehmen.
Wenn die Mensa mal geschlossen hat (gestern war mal wieder ein Feiertag) ist dies eine akzeptable Alternative.


Ein paar Studenten haben in den letzten Tagen aus Ihrem Heimaturlaub lokale Spezialitäten ins Labor gebracht, von denen ich ein paar verköstigen konnte.

U.a. gab es:

- Keks aus Garnelen:



War staubtrocken und erinnerte mich eher an geraspelten Krebspanzer.

- "Uriro", eine gallertartige, süße Speise aus Soja:



Unspektakulär...

- Und als mein persönliches Highlight: Süßer Keks aus Aal!!




Sieht aus wie süßes Gebäck, schmeckt wie süßes Gebäck. Nicht ein Hauch Fischgeschmack oder -geruch.
Nagura-san sagte aber ausdrücklich, dass dieser Keks aus Aal-Pulver hergestellt sei. Es steht auch groß "Unagi-Pie" vorne drauf, Unagi heißt tatsächlich nichts anderes als Aal. (Siehe Wikipedia)

Ich kann es mir trotzdem irgendwie nicht vorstellen...
Essen
Halbzeit Freitag, 05.01.2007, 08:16 Uhr
Ich bin jetzt schon 3 Monate und zwei Tage hier in Osaka, d.h. es ist Halbzeit!

Ich hoffe die zweite Hälfte vergeht nicht ganz so schnell wie die Erste, denn ich würde gern noch ein bisschen bleiben.
Ich bin doch grad erst angekommen...
Allgemeines
Silvester Dienstag, 02.01.2007, 10:41 Uhr
Im folgenden möchte ich darüber berichten, wo und wie ich den Jahreswechsel verbracht habe:

Wie schon einmal erwähnt, sind Sylvester und die ersten Tage des neuen Jahres in Japan ein traditionelles Familienfest wie bei uns Weihnachten.
Daher sind viele Studenten über die Feiertage in ihre Heimatstädte gefahren, die meisten Geschäfte bleiben für ein paar Tage geschlossen und die Universität ist zwar geöffnet, aber
bis zum 04.01. sind alle öffentlichen Einrichtungen auf dem Campus (Bibliothek, Geschäfte, Restaurants, etc.) geschlossen.

Dass es sich bei beiden Anlässen um Familienfeste handelt ist nicht die einzige Parallele zwischen Weihnachten und dem japanischen Neujahrsfest:
Der obligatorische weihnachtliche Besuch der Christmette findet sein japanisches Gegenstück im neujährlichen Besuch eines buddhistischen Tempels.

Daher sind Wolfram und ich am Abend des 31.12. losgezogen zum größten und ältesten Tempel Osakas, dem Shitennoji.
Um das Jahr 590 von Prinz Shotoku errichtet, hat dieser Tempel eine wechselhafte, 1400 Jahre lange Geschichte hinter sich, wurde mehrfach niedergebrannt und wieder aufgebaut.

Hier ein paar Bilder:






Das Gelände des Tempels ist ein weitläufiges Areal mitten in der Stadt zwischen Hochhäusern.
Gegen 23 Uhr kamen wir an, und waren positiv überrascht von dem Rummel der dort herrschte. (Wir wussten vorher nicht genau was uns erwartet.)


Nachdem ich nun vergleichen konnte, würde ich sagen, dass aus dem Schlagabtausch "Christmette versus buddhistischer Tempel" der buddhistische Tempel als Sieger hervorgeht.
Begründung:
Dem oberflächlichen Besucher, der einmal im Jahr seinem Gotteshaus einen Pflichtbesuch abstattet, wird auf einer Neujahrsfeier im buddhistischen Tempel viel mehr Abwechslung und "Action" geboten als in einer Christmette:

- man kann selber die Glocke läuten
- es gibt Fressbuden wie auf einem Jahrmarkt (!)
- man kann Mönchen beim Gebet zuschauen
- es gibt kostenlosen, warmer Tee
- es gibt viele kleine Aktivitäten wie z.B. Räucherstäbchen anzünden oder an einem kunstvollen Rad drehen (ich vermute das es sich um das Dharma-Rad handelte.)

Das Glockenläuten scheint die Hauptattraktion zu sein. In mehreren Gebäuden des Tempels gab es Glocken, und davor bildeten sich lange Schlangen. Um 23:30 begann man dann damit, das neue Jahr einzuläuten. Etwa alle 10-15 Sekunden wurde jede Glocke geläutet. Bei Hunderten Menschen in jeder Schlange dauert es bis weit
nach Mitternacht bis alle Läut-Willigen durch sind.

10 Sekunden vor Mitternacht gab es auf dem "Zentralplatz" des Tempels einen Countdown bis zum Jahreswechsel und anschließend verhaltenen Jubel. Kein Alkohol, kein Anstoßen, kein Feuerwerk.

Viele warteten noch immer in den Warteschlangen darauf ein Glocke zu läuten, der Rest der Besuchermassen verflüchtigte sich.


Wir sind dann noch ein bisschen durch die Stadt gezogen, haben einen zweiten Tempel besichtigt und ein Hochhaus gesucht wo man um 2 Uhr Nachts noch im obersten Stockwerk die Aussicht genießen und etwas essen kann. Leider waren wir nicht erfolgreich.

Zum Abschluss noch das "Wir waren da"-Beweisfoto:

Kultur, Freizeit
Alt Bayern Montag, 01.01.2007, 15:12 Uhr
Gestern habe ich im Supermarkt folgende Pizza entdeckt:



Jawohl, da steht tatsächlich "Alt Bayern".
Um herauszufinden, wie japanische Werbeleute und Verpackungsdesigner darauf kommen, einem italienischen Gericht den Namen "Alt Bayern" zu geben, musste ich sie kaufen.

Gedacht, getan, ausgepackt:



Das ist sie! Teig, Tomatensoße, Käse und Wurst... Nichts spektakuläres. Das einzige, was entfernt bayrisch sein könnte, ist die Wurst.

Das Endergebnis nach erhitzen durch die Mikrowelle in der Küche unseres Labors:



Eine gewöhnliche Pizza... Der Geschmack war ordentlich, wenngleich der Teig knuspriger hätte sein können, was wohl der Zubereitung in der Mikrowelle geschuldet war.
Wirklich bayrisch war diese Pizza jedenfalls nicht.

Fazit:
Interessant, welch kreative Produktbezeichnungen man hier entdeckt.
Wobei man vermuten könnte, dass 99,99% der Konsumenten nie einen Gedanken darauf verschwenden werden, was "Alt Bayrisch" bedeuten könnte.
"Hauptsache es klingt schön exotisch!" werden sich die Werbeleute von der Pizzafabrik gedacht haben. Und wahrscheinlich haben sie damit recht...


Übrigens:
Die großen weißen Schriftzeichen über "Alt Bayern" sind Katakana-Silbenschrift und lesen sich wie folgt:
"Arutobaierun".
Hätte nicht "Alt Bayern" in lateinischer Schrift darunter gestanden, wäre ich wohl nie darauf gekommen was diese Wörter bedeuten sollen (und ich hätte die Pizza nie gekauft).

Wo wir grade bei "deutschen" Produkten sind:
"Brau Meister" Bier habe ich mittlerweile auch gefunden:



Es schmeckt ziemlich herb, ungefähr wie Jever Pilsener.

Die schwarzen Katakana unter dem "Brau Meister" Schriftzug haben folgende Aussprache:
"Kirinburaumaisutaa"

Zweites Fazit für Heute:
Katakana-Schrift wird meist verwendet, um Fremdwörter zu schreiben.
Da es nur ca. 60 Katakana Silben gibt, und damit längst nicht alle Laute abgedeckt werden die in Fremdwörtern vorkommen können, müssen alle Fremdwörter so gebogen werden, dass sie in diese 60 Silben passen.
(Z.b. gibt es kein Katakana "L", dafür nimmt man ein "Ru", da das "R" eher wie ein "L" klingt und das "u" nur gehaucht wird.)

Katakana lesen zu lernen ist eine Sache, aber die Bedeutung der Wörter zu entschlüsseln eine ganz andere.
Wenn das Wort in lateinischer Schrift daneben steht, wie bei der Pizza und dem Bier, ist es leicht.
Aber das ist nicht immer so. Dann kann es einem weiterhelfen, die Wörter laut auszusprechen und zu überlegen, welches (meist englische) Fremdwort damit gemeint sein könnte.
Kurioses